Baugeschichte der evangelischen Kirche in Stegelitz

Eine erste große Umbauphase erfolgte vermutlich zum Ende des 16. Jahrhunderts mit dem Einbau der Gewölbe, weitere folgten im 18. Jahrhundert mit der Vergrößerung der Fensteröffnungen sowie der Wiederherstellung des Turmes 1740.

Aus der ersten Bauzeit der Kirche sind das mehrfach gestufte Westportal, das Südportal im Innern der Vorhalle sowie eine mittelalterliche Putzgliederung am Ostgiebel besonders hervorzuheben.

Der Einbau des unregelmäßigen Kreuzrippengewölbes, welches auf zwei achtseitigen Pfeilern ruht, läßt uns heute den Kirchenraum als zweischiffige Anlage mit je drei Jochen erleben. Die Wände sind geputzt und getüncht. Der Altar stammt aus dem Jahr 1598; Kanzel, Patronatsloge, Emporen und Gestühl sowie das Grabdenkmal für Georg Abraham von Amim aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Seit den 1980er Jahren, in denen die Dächer von Turm und Kirchenschiff neu gedeckt wurden, hat die Stegelitzer Kirche keine weiteren baulichen Sicherungen erfahren. Lediglich der Turm wurde im Jahr 1996 mit einer neuen Dacheindeckung versehen.

Im Juli 2005 wurde nach näherer Untersuchung festgestellt, dass die Dachkonstruktion des Kirchenschiffs in ihren Auflagerbereichen äußerst stark geschädigt ist. Das wirkliche Ausmaß der Schäden kann gegenwärtig nur vermutet werden, deutet jedoch bereits jetzt auf eine umfangreiche bauliche Sicherung hin. Ein weiteres Gutachten von 2017 bestätigte den Befund der Dachkonstruktion, so dass die Kirche bis auf weiteres bautechnisch gesperrt ist und somit derzeit nicht mehr betreten werden darf. Für die notwendigen Freilegungsarbeiten der Traufbereiche, eine weiterführende Planung bzw. gar die Instandsetzung des Bauwerks ist die Finanzierung nicht gesichert. Ein erster Erfolg nach dem Grundstein – der Vereinsgründung im Dezember 2017 – ist die verbindliche Finanz- Zusage der „Notsicherung“ des Dachstuhl in 2018/2019.

Die Kirchengemeinde sowie der Verein „Freunde der Feldsteinkirche Stegelitz e.V.“ benötigen darüber hinaus jede Unterstützung zur Ausführung dieses großen und SINN- erfüllten Vorhabens!

Der Altar
Der äußerst reich gestaltete und mit vielen Dekorationen versehene Altar von 1593 ist vermutlich gleichzeitig mit dem Einbau des Gewölbes entstanden, endet er doch knapp unterhalb der Gewölberippen. Der architektonische Aufbau weist ein Hauptgeschoss auf, in dessen Mittelfeld die Szene der Kreuzigung, links davon das Abendmahl und rechts die Geißelung dargestellt sind.

Die vierteilige Predella zeigt einen „Engelischen Gruß“, die Geburt Christi, die heiligen drei Könige und die Taufe Christi. Über dem Hauptgeschoss befinden sich zwei fast gleich breite Geschosse mit der Szene der Auferstehung im unteren und der Himmelfahrt Christi im oberen, seitlich gerahmt von zwei weiblichen Tugenden.

Der Altar wird bekrönt von der Dreieinigkeit; über den Seiten des Hauptgeschosses Pelikan und Phönix; in den Seitenwangen die vier Evangelisten. Alle figürlichen Darstellungen sind als Vollplastiken oder kräftige Reliefs ausgebildet. Zwischen den Gesimsen und Sockelfeldem, die mit reichem Beschlagwerk versehen sind, finden sich Bibelsprüche.

Eine Inschrift auf der Rückseite des Altars vermittelt uns zu seiner Entstehung Folgendes: „ANNO 1598 haben wir die Ehrwürdige Edele Gestrenge und Ehrenveste Herr Johann der PRIMAT ertzbischöfflichen Kirche zu Magdeburg Dohm Herr und Christopff Gevettem von Arnim auf Gerswalde und Stegelitz Erbsessen diesen Althar zu Gottes Ehre und der christl. Kirchen zur zier machen lassen“.

 

Die Kanzel
Die Kanzel stammt aus der barocken Umbauphase der Kirche und kann in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts datiert werden. Der Kanzelkorb ist verziert mit Blatt- und Blütengehängen sowie einem vollplastischen Engelskopf. Der Schalldeckel wird bekrönt durch Voluten und eine flammende Vase.

Die Emporen
Die gesamte Westseite ist mit einer Empore bebaut, die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die Orgel aufnimmt Die Empore setzt sich auf der Südseite fort und findet ihren Anschluss an eine geschlossene Patronatsempore aus dem Jahr 1728, die mit dem Allianzwappen der Familien Amim und Löben verziert ist.

Die Glocken
Im Kirchturm hängen drei Bronzeglocken, die kleinste mit einem Durchmesser von 74 cm, die beiden größeren 90 cm und 114 cm. Sie sind im Jahr 1891 vom damaligen Patron der Kirche und Majoratsherrn auf Suckow, Georg Gustav von Arnim, erneuert worden lassen. Jeweils auf der einen Seite befindet sich das Datum der Entstehung, auf der anderen Verse aus dem Neuen Testament. Seit 2005 sind die Glocken mit einem elektronischen Läutewerk versehen. Auf Grund des Statik- Gutachten des Dachstuhl schweigen die Glocken leider zunächst und warten auf Ihre erneute Premiere.

Das Gewölbe
Ausgesprochen ungewöhnlich und einmalig für eine Dorfkirche im Landkreis Uckermark ist die vollständige Wölbung des Kirchenschiffes. Das unregelmäßige Kreuzrippengewölbe ruht auf zwei, in der Mitte des Kirchenraumes stehenden, achteckigen Pfeilern, wodurch der Raum in zwei Schiffe mit je drei Jochen geteilt wird. Die Rippen des Gewölbes ruhen unmittelbar auf der, durch zwei Platten und dazwischen liegender Wulst gestalteten Kämpferzone der Pfeiler, während die Rippen einfach an den Wänden verlaufen. Die Zeit der Entstehung des Gewölbes ist nicht genau bekannt. Man könnte annehmen, dass es nahezu zeitgleich mit der Errichtung des Altars 1598 eingebaut wurde, da dieser mit seiner Höhe Rücksicht auf das Gewölbe nimmt.

Das Grabdenkmal
Den Altarraum sehr stark dominierend tritt auf der Nordseite das auf einem hohen Sockel stehende Grabdenkmal für Georg Abraham von Arnim in Erscheinung. Das vermutlich von G. Glume, Berlin, geschaffene Denkmal aus farbigem Marmor, das von Arnim sich 1734 gesetzt hat, stellt die lebensgroße Figur des Verstorbenen in Hoftracht dar. Darüber befinden sich Rüstungs- und Waffenembleme, dahinter an der Wand ein gemalter Vorhang.

Die Orgel
Die Orgel mit dem klassizistischen Orgelprospekt wurde im Jahr 1868 eingebaut. Unter der Westempore, nördlich der Tür zum Turmraum, trennt eine handwerklich sehr schöne Vergitterung einen Raum ab, in dem sich der Orgelblasebalg befindet. Datiert ist diese Arbeit von 1737. Quellenangabe: Aus dem Informationsflyer der Kirchengemeinde Gerswalde zur Kirche Stegelitz.